Buchvorstellung: Philippe Sands: „Rückkehr nach Lemberg“, 11.02.2018

Am 11. Februar 2018 präsentierte der britisch-französische Jurist und Publizist Philippe Sands die deutsche Übersetzung seines Buches ‚East-West Street – On the Origins of “Genocide” and “Crimes Against Humanity‘: „Rückkehr nach Lemberg“ (Buchanzeige: Fischer-Verlag) in der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz.
Das Buch ist im englischen Sprachraum zu einem Bestseller geworden: The Guardian, London, 22.05.2016; New York Times, New York, 29.05.2016.

Es verbindet die Recherche nach der eigenen Familiengeschichte, die ihren Ausgang in Lemberg, dem heutigen westukrainischen Lviv nimmt, mit einer spannend erzählten Geschichte des Völkerstrafrechts und seiner frühen Protagonisten, der beiden polnisch-jüdischen, galizischen Juristen Hersch Lauterpacht und Raphael Lemkin.
Sands erzählt die Lebenswege der beiden und erforscht mit großer Sensibilität ihre „whereabouts“. So entsteht ein Nachruf auf das Lemberg vor und das Lwow nach dem Ersten Weltkrieg und seine Universität, die als eine der Wiegen der Ideen für ein neues Völkerrecht gelten kann. Sands lenkt den Blick auf eine Welt, die mit dem deutschen Einmarsch im Sommer 1941 gründlich zerstört wurde. Auch hierüber berichtet Sands. Er erzählt über Hans Frank und dessen Begegnung mit dem französischen Richter in Nürnberg Donnedieu de Vabres, 1935 in Berlin und 1945 im Gerichtssaal 500 des Schwurgerichtspalastes in Nürnberg.

Im November 2017 bin ich mit Philippe Sands in die Ukraine gereist. Für Raphael Lemkin und Hersch Lauterpacht haben wir gemeinsam mit dem Bürgermeister von Lviv Gedenktafeln enthüllt.
Die East-West Street oder die Lemberger Strasse führte durch eine kleine Stadt in der Nähe von Lemberg, die Stadt Zolkiew heute Schowkwa bzw. bis 1991 Nesterow, die von einem großen Renaissanceschloss dominiert wird. Hier befindet sich ein Bauernhaus mit einem Versteck unter dem Schlafzimmerparkett. Ein Volksdeutscher hat hier erfolgreich zehn jüdische Bewohner versteckt. Alle anderen, über 3000 Menschen, wurden nach der Auflösung des Ghettos 1943 in der Nähe erschossen; nur einer überlebte und setzte den Gedenkstein am Massengrab.

„Die Knochen, die dort unten ruhten, vermischten sich, Leons Onkel Leibus, Lauterpachts Onkel David ruhten dicht beieinander an diesem Ort, weil sie zufällig der falschen Gruppe angehörten. Die Sonne erwärmte das Wasser; die Bäume hoben mich empor, weg vom Schilf, zu einem indigoblauen Himmel. Genau dort, einen kurzen Moment lang, verstand ich“ (P. Sands, Epilog in seinem Buch „Rückkehr nach Lemberg“).

Dr. Hans-Christian Jasch
[veröffentlicht: 16.02.2018]

 


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