Es war einmal. Warschau im Herbst 1939 – Sonderausstellung

von Eike Stegen, Mitarbeiter der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz

Die Sonderausstellung „Es war einmal. Warschau im Herbst 1939“ zeigt 23 Fotografien einer einst 65 Bilder (und vielen zusätzlichen Texten) umfassenden Ausstellung. Sie war erstmals 1996 in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand zu sehen und hat das Haus der Wannsee-Konferenz vermittelt über Prof. Peter Steinbach, dem wissenschaftlichen Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, erreicht.

Die Aufnahmen stammen aus der Kamera eines unbekannten deutschen Wehrmachtsangehörigen, aus der Frühphase des Zweiten Weltkriegs, unmittelbar nach der Besetzung Warschaus am 27. September 1939. Da das Haus der Wannsee-Konferenz mit dem Online-Ausstellungsprojekt „Stumme Zeugnisse 1939“ im August 2019 selbst intensiv mit privaten, nicht öffentlichen und nicht veröffentlichten Wehrmachtsfotografien beschäftigt war, waren wir über das Angebot von Prof. Steinbach, die digitale Ausstellung durch eine analoge Ausstellung in unserem ersten Obergeschoss zu ergänzen, sehr erfreut.

1993 waren zahlreiche Negative zufällig gefunden worden. Eingerollt und verpackt in einem Schuhkarton lagen sie umeingesehen 50 Jahre lang auf einem Dachboden unter zahlreichen anderen Fotodokumenten. Wer die Aufnahmen gemacht hat und wie die Negative nach Passau gekommen sind, ist unbekannt.

101 Bilder wurden 1995 in einem hochwertigen Fotoband „Es waren einmal. Warschau im Herbst 1939“ von Prof. Peter Steinbach und Stefan Rammer, Redakteur der Passauer Neuen Presse, veröffentlicht.

Der Band – gedruckt im aufwendigen Dutton-Verfahren – zeigt Stationen der Frühphase des Zweiten Weltkrieges, bedrückende Aufnahmen von jüdischen wie nichtjüdischen Polinnen und Polen, die sich der deutschen Besatzung unterwerfen mussten. Im Essayteil finden sich Beiträge von Wladyslaw Bartoszewski, Andrzej Szczypiorski, Esther Dischereit, Israel Gutmann – und von Prof. Steinbach selbst.

„Die Bilder erschüttern, weil sie die Welt nicht im Kreis der Hölle zeigen“, schreibt der Neue Presse Verlag 1995 zum Buch, „sondern in deren Vorhof, wo der Mensch noch nicht weiß, was ihm bevorsteht.“

23 Bilder im Obergeschoss des Hauses – 42 weitere Bilder und ergänzende Texttafeln verbleiben vorläufig in den Kisten. Auf den Kisten liegt der Fotoband, den wir in einer Restauflage kostenfrei an die Ausstellungsbesucher*innen verteilen durften.

Wir danken der Verlegerin Angelika Diekmann von der Passauer Neuen Presse für die Überlassung einer Restauflage der Fotobände von 1995, die wir in den vergangenen Wochen in der Ausstellung kostenfrei an ein interessiertes Publikum verteilen konnten. Der Band liegt – selbstverständlich – in unserer Joseph Wulf Mediothek zur Einsicht aus.

Wir danken Prof. Steinbach für die Initiative, dass die Ausstellung – wenngleich in viel kleinerem Rahmen, mit 23 statt 65 Bildern und ohne die dazugehörigen Texte – anlässlich des 80. Jahrestages des deutschen Überfalls auf Polen bei uns im ersten Obergeschoss des Hauses gezeigt werden kann.

Die Ausstellung hängt bis Montag, 8. Oktober 2019, und verbleibt danach im Haus der Wannsee-Konferenz. Sie steht kostenfrei allen Interessierten zur Verfügung. Bitte kontaktieren Sie uns: stegen@ghwk.de

Auszug aus unserem Vorwort zur Präsentation im Haus der Wannsee-Konferenz, 31.8.-8.10.19

[veröffentlicht am 30.09.2019]

 


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