Kontinuitäten, Brüche, Neuanfänge

ERSTE FORTBILDUNGSVERANSTALTUNG FÜR MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER DES BUNDESMINISTERIUMS DES INNERN AM 22. JUNI 2018 – Kontinuitäten, Brüche, Neuanfänge

Gemeinsam mit dem Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat führt die Gedenk und Bildungsstätte Haus- der Wannsee-Konferenz eine Serie von Fortbildungsveranstaltungen durch. Sie komplementieren das im Jahre 2014 angelaufene Forschungsprojekt zur „Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte beider deutscher Innenministerien“, welches die Nachkriegskontinuitäten zur NS-Zeit im Bundesministerium des Innern und im Ministerium des Innern der DDR untersucht.

Die erste Fortbildungsveranstaltung fand am 22. Juni 2018 in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz statt. Die 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden von Herrn Dr. Hans-Christian Jasch, Direktor der Gedenkstätte, begrüßt und durch einen Vortrag in die Thematik eingeführt. Das Reichsministerium des Inneren – in der Weimarer Republik ein reines Gesetzgebungsministerium – avancierte in den Jahren nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten als Verfassungs- und Polizeiministerium zu einem wichtigen Instrument der Machtkonsolidierung. In den frühen Jahren des Dritten Reichs spielte es als Beamtenministerium eine zentrale Rolle: unter anderem bei der „Säuberung“ des öffentlichen Diensts von sog. „Nichtariern“ und politisch Andersgesinnten, der „Gleichschaltung“ der Länder aber auch bei der Rassengesetzgebung und als Gesundheitsministerium bei den eugenischen Maßnahmen des NS-Staates. Infolge der territorialen Expansion des Deutschen Reichs wurde das Reichsministerium des Inneren zur Zentralstelle für die Eingliederung und Verwaltung der angeschlossenen, annektierten und besetzten Gebiete. Somit war das Personal des Ministeriums aktiv beteiligt an der Unterdrückung und Besatzungspolitik, Verfolgung und Ermordung von politischen Gegnern, Menschen mit Behinderungen, Sinti und Roma sowie den europäischen Juden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden anschließend von Herrn Christopher Scheel durch die Dauerausstellung der Gedenkstätte geführt. Das Hauptaugenmerk lag auf den verschiedenen Phasen der Radikalisierung der antijüdischen Politik der Nationalsozialisten und deren Kumulation in den ersten Massenmorden an sowjetischen Juden im Spätsommer 1941 – mehrere Monate vor der Wannsee-Konferenz. Auch die Rolle Wilhelm Stuckarts, Staatssekretär im Reichsministerium des Inneren und Teilnehmer an der Wannsee-Konferenz, wurde umfassend thematisiert.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in vier Gruppen in eigenständiger Quellen- und Literaturarbeit mit den Themenblöcken „Das RMdI und die Judenpolitik“, „‚Wiedergutmachung‘ nach 1945: Entschädigungspolitik und Opfergruppen“ und mit den Beispielbiographien von Kurt Breull und Harry von Rosen von Hoewel auseinander. Die Ergebnisse wurden anschließend im Plenum präsentiert. Die Fortbildungsveranstaltung fand in einer angeregten Abschlussdiskussion, in der die Eindrücke des Tages resümiert und auch Bezüge zur Gegenwart und zu immer noch gängigen Arbeitsweisen in Ministerien gezogen wurden, ihr gelungenes Ende.

Die nächste Fortbildungsveranstaltung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesministeriums des Innern für Bau und Heimat findet am 21. September 2018 statt.

Svea Hammerle
Wissenschaftliche Volontärin der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz

[veröffentlicht: 4.07.2018]

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