Lehrerfortbildung in Terezín/Theresienstadt, 22.–25. November 2018

Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf einem Rundgang durch das ehemalige Ghetto. Im Bild sind die Überreste der Gleisanlagen zu sehen, die ab 1942 von Gefangenen gebaut werden mussten.

von Cornelia Siebeck, freie Mitarbeiterin der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz

Auch in diesem Jahr beteiligte sich die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz an der Fortbildung tschechischer Lehrerinnen und Lehrer, die ihre inhaltlichen und methodischen Kenntnisse zur Vermittlung des Holocaust vertiefen wollen. Eine entsprechende Seminarreihe wird bereits seit dem Jahr 2000 von der Gedenkstätte Theresienstadt (Památník Terezín) veranstaltet. Die Lehrerinnen und Lehrer durchlaufen dabei ein mehrstufiges Qualifikationsverfahren, das die Gedenkstätte in Zusammenarbeit mit einschlägigen Partnerinstitutionen in Europa, Israel und den USA realisiert.

Das Programm des diesjährigen Winterseminars war wieder bemerkenswert breit und vielschichtig angelegt. In diversen Überblicksvorträgen informierten Forscherinnen und Forscher beispielsweise über das nationalsozialistische Vernichtungslager Auschwitz oder den Völkermord an den europäischen Roma und Sinti. Vertreterinnen und Vertreter internationaler Museen und Gedenkstätten gaben in zahlreichen Workshops Einblicke in ihre Bildungsarbeit.

Für die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz habe ich zwei Workshops zur Arbeit mit historischen Fotos angeboten. Noch immer werden Fotos in der historischen Vermittlungsarbeit häufig nur zur Illustration eingesetzt. In den Workshops ging es darum, für ihren Eigenwert als historische Quellen zu sensibilisieren und über ihren fruchtbaren Einsatz im Schulunterricht nachzudenken.

Anhand von fünf Fotos aus verschiedenen Phasen der nationalsozialistischen Judenverfolgung tauschten die Lehrerinnen und Lehrer sich rege darüber aus, ob und wie sie diese Bilder im Unterricht verwenden würden: Welche zusätzlichen Informationen wären für eine tiefergehende Analyse nötig? Welche Lernziele wären damit jeweils verbunden? Wie würde man die entsprechende Unterrichtseinheit planen? Kontrovers wurden vor allem der Einsatz expliziter Gewaltdarstellungen und spontane Analogiebildungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutiert: Ist etwa sexualisierte Gewalt gegen Frauen in jedem historischen Kontext das Gleiche?

Ergänzt wurde das Seminarprogramm durch abendliche Kulturveranstaltungen, wie der Aufführung der Oper „Brundibár“, die Hans Krása einst für die Kinder im Ghetto Theresienstadt komponierte. Außerdem bot die Gedenkstätte Rundgänge und Ausstellungsbesuche zur Erkundung des historischen Ortes an. In der abschließenden Feedbackrunde bewerteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die gemeinsam verbrachten Tage äußerst positiv. Ganz in diesem Sinne freuen wir uns auf die weitere Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Theresienstadt und den Gegenbesuch der tschechischen Lehrerinnen und Lehrer in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz.

[veröffentlicht am 09.01.19]

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